Seit dem Amtsantritt der Kommission von der Leyen II im Jahr 2024 mehren sich die Erklärungen zugunsten einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas und einer Verringerung des Verwaltungsaufwands. Die europäischen und luxemburgischen Unternehmen begrüßen dieses Engagement zwar, bedauern jedoch, dass die tatsächliche und konkrete Umsetzung dieser Prioritäten zu langsam voranschreitet und im wirtschaftlichen Umfeld nicht ausreichend spürbar ist.
Es besteht heute dringender Handlungsbedarf. Zu diesem Schluss kamen einstimmig die rund 530 Vertreter europäischer Industrieunternehmen und Branchenverbände, die am 11. Februar 2026 in Antwerpen am Europäischen Industriegipfel teilnahmen. Die FEDIL und mehrere luxemburgische Unternehmen gehören zu den Unterzeichnern der Antwerp Declaration*. „Rettet unsere Industrie. Nicht nächstes Jahr, nicht nächste Woche, sondern heute.“ Das ist der Appell, der an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sowie an mehrere Staats- und Regierungschefs, die am Gipfel teilnahmen, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, gerichtet wurde.
Diesen Appell möchte die FEDIL, vertreten in Antwerpen durch ihren Geschäftsführer René Winkin, auch den EU-Staats- und Regierungschefs übermitteln, die sich am 12. Februar 2026 zu einer informellen Klausurtagung zum Thema Stärkung des Binnenmarktes und Wettbewerbsfähigkeit im Schloss Alden Biesen in Belgien treffen.
Angesichts der anhaltenden Deindustrialisierung in der Eurozone und der Verschlechterung der geopolitischen Lage müssen die Unternehmen darauf drängen, dass die europäische Agenda für Wettbewerbsfähigkeit beschleunigt wird und zu konkreten und kohärenten Maßnahmen an mehreren Fronten führt. Jede weitere Verzögerung führt zu aufgeschobenen, aus Europa verlagerten oder ganz einfach aufgegebenen Investitionen. In diesem Sinne ruft die europäische Industrie zu klaren und mutigen politischen Verpflichtungen auf, um eine Situation zu korrigieren, die für die europäische Industrie und ihre Unternehmen unhaltbar wird.
In einem zunehmend instabilen internationalen Umfeld muss Europa strategisch und kohärent handeln und sich als unverzichtbarer Handelspartner positionieren. Angesichts des Drucks der Trump-Regierung muss Europa die europäischen Interessen entschlossen und gemeinsam verteidigen und gleichzeitig stabile transatlantische Beziehungen aufrechterhalten. Darüber hinaus ist die Diversifizierung des Handels und der Investitionen wichtiger denn je.
Diese Öffnung des Handels muss mit einer Stärkung der internen Wettbewerbsfähigkeit Europas einhergehen: Es ist von entscheidender Bedeutung, die Integration des Binnenmarktes zu beschleunigen, die Vereinfachung des Verwaltungsaufwands konkret umzusetzen und gezielte Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise zu intensivieren, die ein wesentlicher Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit sind.
Der Europäischen Union mangelt es weder an Diagnosen noch an Berichten. Die Leitlinien sind bekannt, insbesondere durch den Draghi-Bericht, den Letta-Bericht und den Competitiveness Compass. Was Europa jetzt braucht, ist ein starker politischer Wille, diese Leitlinien in konkrete, messbare Maßnahmen umzusetzen, die von den Unternehmen vor Ort spürbar sind.
*Das Bündnis rund um die Antwerpener Erklärung vertritt mehr als 1.300 Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften in ganz Europa. Weitere Informationen: https://antwerp-declaration.eu/